Ein Gehöft. Alt und einsam steht es seit 400 Jahren im Herzen der Toskana. Eingebettet in eine wild bewaldete Hügellandschaft. Kein anderes Haus ist weit und breit. Im Inneren ein zauberhaft welliger Boden durch viele Tritte glatt poliert. Es duftet zart nach Lavendel und ein Hauch von knorrig gegerbter Vergangenheit liegt in der Luft…
oder
Regen prasselt gegen die Fensterscheibe. Irgendwo in weiter Ferne hupt ein Auto. Das Licht wird schon fahl. Drinnen ist es wohlig warm. Der dicke, kuschelige Pullover schmiegt sich an wie eine zufrieden schnurrende Katze. Das gestrickte Muster, diese paarweise angeordnete Regelmäßigkeit, wird nur durch bezaubernd geformte Falten zum Leben erweckt….
Beim Lesen solcher Zeilen entstehen Bilder im Kopf. Bilder und Assoziationen sollen auch beim Betrachten meiner Frottagen entstehen bzw. gesucht werden.
Die Frottage ist eine alte Drucktechnik, bei der Oberflächenstrukturen mit Graphitstiften oder Kreiden auf Papier übertragen werden. Ich experimentiere mit diesem Verfahren. Neben der klassischen Frottagetechnik übertrage ich markante Oberflächen auch mit Wachsen auf Stoff oder mit Handscanner auf Datenträger. Zeichnerische Elemente fließen ebenfalls in meine Bilder ein. Durch den Kontakt mit den Objekten entstehen scheinbar gegenstandslose Arbeiten mit manchmal überraschender Detailgenauigkeit. Reliefs und Materialrückstände des Untergrundes, die beim Übertragen auf das Papier gelegentlich mit übertragen werden, unterstreichen zusätzlich die Nähe.
Die entstandenen Frottagen schaffen eine neue Wirklichkeit, die es ermöglicht andere subjektive Erinnerungen zu finden…
Christa Knott